„Weibsbilder“ waren schlagfertig und in Höchstform

Zwerchfellschmerzen wegen Dauerlachens – Lila-laue Nacht in Andervenne wieder ein Volltreffer

„9. Lilalaue Nacht in Andervenne“ – die emsländische Kultveranstaltung schlechthin zog in diesem Jahr über 900 Zuschauerinnen und nur wenige Männer in das Festzelt neben der Kirche in Andervenne.

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Das grandios auftrumpfende Kabarett-Duo „Weibsbilder“ hatte sich mit seiner umwerfenden Präsentation im Jahre 2008 nicht nur im Emsland einen Namen gemacht und sorgte mit seinem aktuellen Programm „Unbemannt – Wir sind übrig!“ dafür, dass bei vielen akuten Anfällen von Zwerchfellschmerzen wegen Dauerlachens Nothilfe geleistet werden musste.

Nachdem die 450 verfügbaren Eintrittskarten bereits am ersten Vorverkaufstag innerhalb von nur zwei Stunden verkauft worden waren, hatte man eine zweite Vorstellung eingerichtet, deren Eintrittskarten es allerdings ähnlich erging. Ein schlagendes Zeugnis für die unglaubliche Attraktivität der „Lilalauen Nacht“ und das Gütesiegel „Theatergruppe Andervenne“.

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Sie hatte als Veranstalter mit ihrem Anheizer-Vorprogramm „Tanztee“ ein sehenswertes Satyrspiel mit einem Rahmen aus Türstehern, Ansagern und Tanzwettbewerb auf die Bühne gestellt, das in der Krönung einer „Andervenner Dancing Queen“ seine zwerchfellerschütternde Erfüllung fand und allein schon fast als Hauptprogramm durchgehen konnte.

Als sich die vielen Frauen im bis auf den letzten Platz gefüllten Zelt vor Lachen wieder mühsam gefangen hatten, konnte Moderatorin Anette Garmann endlich durchdringen und den Clou des Abends, die „Weibsbilder“, ansagen. Da sind Anke Brausch und Claudia Thiel, und für die kommenden drei Stunden gibt es nur noch sie – schlagfertig und in Höchstform.

Angewärmt wird in einem von Scherzen bis zu kleinen und größeren Bosheiten funkelnden Dialog zweier „bester Freundinnen“, die auch gleichzeitig „beste Feindinnen“ sind und doch nicht voneinander lassen können. Kein Detail in den zwischenmenschlichen Beziehungen wird verschwiegen, kein Problemchen und keine Körperstelle dabei ausgelassen.

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Und die in liebevollem rheinischem Tremolo gemachte Bemerkung „Dat macht ihr doch auch“ rückt jedes unter die Lupe des Kabarettisten gezerrte akademische „Shocking“ hautnah heran. Die unglaublichsten Pointen regnen nur so.

Dann geht es an das eigentliche Thema, den Heiratsmarkt. Beide wollen ihr Dasein nicht als Übriggebliebene, Ausschussware oder Restposten fristen. Aber wie macht man das? So steigen sie augenzwinkernd ins Getümmel, um der „biologischen Uhr“ doch noch ein Schnippchen schlagen zu können.

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Dabei werden viele bekannte Figuren ironisch zitiert wie die „kleine Tineke“, die Mutter, die einen Mann braucht, Figuren aus „Bauer sucht Frau“ und Typen des täglichen Lebens – es menschelt eben ungemein. Eine längere Pause war dringend geboten, um sich vom Lachen zu erholen. Nach der Pause geht es dann ebenso gnadenlos weiter. Und nach drei Stunden und einer Zugabe bei Standing Ovations hieß es: Lachen bis zum Abwinken.

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(Lingener Tagespost, 17. August 2010)