"Bienenstich" schmerzte vor allem die Männer

Kabarettistin Lioba Albus begeisterte in Andervenne

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Mit Männern kennt sich Mia Mittelkötter aus. Ihre Kenntnisse behält sie nicht gerne für sich, vor allem, wenn sie unter Geschlechtsgenossinen weilt. Dann geht es "zur Sache", denn die mitteilsame Sauerländerin nimmt kein Blatt vor den Mund.
Das merkten die Frauen in dem voll besetzten Festzelt im Ortskern von Andervenne  gleich zu Beginn der Veranstaltung mit der Kabarettistin Lioba Albus, die dem Publikum eine kabarettistische Kalorienbombe unter dem Titel "Bienenstich mit Sahne" servierte. Diese Köstlichkeit verdankten die Zuschauerinnen der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) und der Theatergruppe Andervenne, die zum zweiten Mal eine "lilalaue Nacht" nur für Frauen veranstalteten und auf riesige Resonanz stießen.

Bevor Mia Mittelkötter loslegen konnte, stimmten einige Sängerinnen von der Theatergruppe das Publikum mit einer leicht veränderten Fassung des Schlagerklassikers "Aber bitte mit Sahne" musikalisch auf das Programm ein. Danach war die auf den ersten Blick bieder wirkende Mia aber nicht mehr zu bremsen, zumal ihr das Publikum ganz gut gefiel. Sie hätte es sich schlimmer vorgestellt, verriet sie.
"Ich hatte Bedenken gehabt, denn wer mag das sein, der an einem solchen Abend nicht zum Grillen eingeladen ist?", ließ sie die Gäste wissen und ging sofort auf das Thema ein, das in den letzten Wochen allen den Schweiß aus den Poren trieb: das Wetter.
Besonders interessant erschienen Mia dabei die optischen als auch die den Geruchssinn betreffenden Auswirkungen der hohen Temperaturen auf die männliche Hälfte der Gesellschaft.

"Sommer ist keine Zeit für Männer", stellte sie lapidar fest und bewunderte die Frauen, die sich Männern in Shorts und weißen Tennissocken sogar in der Öffentlichkeit zeigen. 
"Frauen sind unheimlich belastbar", so das Fazit Mias, die auch ihre perönlichen Erfahrungen beisteuerte.

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Als sie ihren Mann kennen lernte, habe sie gestaunt, dass es so einen überhaupt gibt. "Da war ja rein gar nichts dran." Aber für irgend etwas müsste ja so ein Mann gut sein.
Danach suche sie bis heute. "Und das bringt richtig Spannung in die Ehe."
Mia Mittelkötter hat eine scharfe Zunge, aber ihr biederes Outfit und die mundartliche Sprachfärbung nehmen den Inhalten ihre Bissigkeit. Sie wirkt so gutmütig besorgt, dass erst nach einer Weile bewusst wird, wie boshaft ihre "Plaudereien" zuweilen sind. So auch die Überlegung, warum junge Frauen alte Männer heiraten. Ihrere Meinung nach tun sie es aus sozialen Gründen, weil sie damit eine mildtätige Form der Sterbehilfe leisten.

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"In diesem Stil gestaltet die Kabarettistin ihr ganzes Programm. Sie lässt sich über Trivialitäten aus, berührt hin und wieder politische Themen, ab und zu findet auch aktuelles Weltgeschehen Beachtung. Ein "gefundenes Fressen" war der Stromausfall gleich zu Beginn der Veranstaltung.
Lioba Albus ließ sich spontan über das Geschehen in Kanada und in den USA aus und hatte gleich mehrere Geschichten zu dem Thema auf Lager. Und als das Licht wieder anging, musste sie Gerechtigkeit walten lassen: "Ich wette, da steckt ein Mann dahinter", meinte sie und lud den Techniker zur Freude des weiblichen Puublikums auf die Bühne, wo sie ihn mit Bienenstich und Kaffee bewirtete.

Bei allem, was Lioba Albus sagt und tut, steckt ein bissiger Grund dahinter. Und sie bietet es mit so viel schauspielerischem Können und so unwiderstehlich komisch dar, dass vom Anfang bis zum Ende der Veranstaltung kein Auge trocken bleibt.

(Lingener Tagespost, 21. August 2003)