Lilalaue Nacht in Andervenne mit 900 Frauen

Kult-Kabarett begeistert erneut

An zwei Abenden hintereinander ein volles Festzelt in Andervenne, gibt es das? Ja: Zweimal ca. 450 Frauen haben bei der emsländischen Kult-Sause, der "Lilalauen Nacht", das Festzelt "zum Glühen" gebracht. In diesem Jahr hatte sich das Kabarett-Duo Dietrich Faber und Martin Guth ("Faberhaft Guth") mit ihrem mitreißenden musikalischen Wortkabarett und dem neuen Programm "Die Erlebniswarmduscher" genügenden Mut für die Konfrontation mit der geballten Masse emsländischer Weiblichkeit gefasst.

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Wortkabarett

Sie waren damit der Einladung der veranstaltenden Theatergruppe Andervenne gefolgt, die als "Aufheizer" dem Auftritt der beiden hessischen Wortakrobaten mit einem bühnenreifen eigenen Programm die rechte Zündung verliehen.
Nachdem die Moderatorin noch schnell den erwartungsvollen Zuschauerinnen "für heute den Mittelpunkt des Lebens" versprochen und Sänger Timo Jenz seinen Hit "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen gelandet hatte, fanden sich die beiden "Erlebniswarmduscher" unvermittelt auf der Bühne wieder. Zunächst standen sie dem fast schon orgiastischen Treiben um sie herum noch ein wenig fremd gegenüber, aber schnell hatten sie sich im Griff und das ganze Publikum auf ihrer Seite.

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Die Stimmung bei der lilalauen Nacht ist in Andervenne wie jedes Jahr einmalig. Erste Technikprobleme mit dem Mikro werden von stimmigen Sprechchören der vielen Frauen begleitet. Die beiden suchen die Störquelle unter ihren Jacketts, darauf fällt die Weiblichkeit in dem Festzelt mit "Ausziehen, Ausziehen!" und bald darauf mit dem Lied "An Tagen wie diesen ..." ein. Minutenlang können Zweifel aufkommen darüber, wer hier eigentlich der Stimmungsmacher ist, die 450 fröhlich gestimmten Frauen oder die beiden Kabarettisten auf der Bühne.

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Dann legen die beiden Kabarettisten aber richtig los und wecken mit einem wahren Feuerwerk an feinsinniger Wortgewalt, pointierten Songs, viel Sprachwitz und schauspielerischer Vielseitigkeit bei ihrem Zug durch die deutschen gesellschaftlichen Befindlichkeiten. Beifallsstürme und rechte Lachorgien ganz nach Belieben.
Gnadenlos, aber mit Niveau wird auf die Schippe genommen, was uns "Arrivierte" so bewegt. Die Auswüchse und Verrücktheiten schulischer Experimente, die Blasiertheit bei der Planung von Festlichkeiten, speziell von Geburtstagsfeiern, ob man die einlädt, die man mag, oder doch die Verwandten, Auswirkungen der Finanzkrise ( "auf mich natürlich nicht, aber eigentlich doch" ), absurde Gespräche zum Thema "Männerfreundschaften" und die Verrücktheiten bei der Mitmachsucht beim Thema "Neue Medien" und soziale Netzwerke.

Weitere Zugaben

Nach fast vier Stunden Programm kehrt dann mit einer weiteren Präsentation der Theatergruppe so langsam der Alltag wieder ein. 
Die Zuschauerinnen erlebten einen tollen Abend. Beifallsstürme entzündeten sich fast am laufenden Band, und vom vielen Lachen werden wohl manche der Besucherinnen im Geheimen Angst um ihr Zwerchfell bekommen haben.

Es lag aber auch ein etwas anderer Ton in der Atmosphäre dieses Kabarettabends.
Neues ist aber auch ein Teil des Schönen in Andervenne.

Und Zugaben für die begeisterten Zuschauerinnen gab es natürlich auch noch.

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(Lingener Tagespost, 21. August 2012)